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Geschrieben von
Max Edlinger
Max Edlinger
Finance Manager

Wandern und Whisky - Max' Speyside Way Teil 1

Today's rain is tomorrow's whisky!

Max Wanderreise auf dem Speyside Way

Oder: von Regen zu Sonnenschein zu Sturm, von Nord nach West nach Süd, vom Meer über den Fluss in die Berge und von Whisky zu Bier zu Porridge auf dem Speyside Way! Hier ist der erste Teil des Reiseberichts über mein Abenteuer in der Whiskyregion im Osten Schottlands.  

Tag 1: Buckie nach Fochabers

Der Weg führte mich zunächst an der Nordseeküste entlang, von Buckie nach Spey Bay und dann landeinwärts immer nahe am Fluss entlang bis nach Fochabers. Mit 16km ein gemütlicher Einstieg in die Wanderwoche ohne große Steigungen aber mit sehr abwechslungsreichen Aussichten. Nachdem ich morgens noch mit voller Regenmontur in den Frühnebel gestartet war, wurde ich schon nach wenigen hundert Metern von den ersten Sonnenstrahlen geküsst und konnte die äußerste Zwiebelschicht (Regenhose und Jacke) im Rucksack verstauen. Ein kleines Highlight wartete gleich am Anfang: Die Robben von Portgordon! Diese putzigen Tierchen haben es sich am Strand des kleinen Dorfes bequem gemacht und sind hier fast immer zu beobachten. 

Die Robben von Portgordon

Also kurze Tierbeobachtungs- und Fotopause und weiter auf dem Weg, der hier zum ersten Mal kurz auf die ehemalige Bahntrasse der, heute stillgelegten, Strathspey Railway wechselt. Nach wenigen hundert Metern habe ich hier, der Empfehlung meines Reiseführers folgend, einen kleinen Umweg zurück an den Strand genommen. Wenn man den Golfplatz sicher überquert hat (Vosicht umherfliegende Golfbälle und verärgerte Golfer!) ist dieser kurze Abstecher sehr zu empfehlen! Ich habe den einsamen Strand und das inzwischen sonnige Herbstwetter für ein schnelles Bad in der eiskalten Nordsee genutzt. Sehr erfrischend. Nach kurzem Marsch am Kiesstrand entlang bis Spey Bay verabschiedet sich der Speyside Way vom Meer und biegt am wunderschönen Mündungsdelta des namensgebenden Flusses in südlicher Richtung ins Landesinnere ab. Der Weg führt immer wieder sehr nah an den schnell fließenden Strom heran und gewährt wunderschöne Ausblicke. Mit etwas Glück kann man den ein oder anderen Lachs flussaufwärts springen sehen, in jedem Fall wird man die vielen Fliegenfischer bemerken, die sich zu dieser Zeit auf die Jagd nach ebendiesen machen. Ich habe mich nach den vielen Foto-, Bade- und Robben-bedingten Pausen auf diesem zweiten Teilstück etwas beeilt um rechtzeitig zu meiner ersten Destilleriebesichtigung der Woche in der Strathisla Distillery in Keith zu sein. (Vom Etappenziel in Fochabers gibt es einmal pro Stunde eine direkte Busverbindung nach Keith, ca. 25min Fahrzeit/ca. 5 GBP pro Fahrt. Die Führung sollte im Vorhinein reserviert werden - https://www.maltwhiskydistilleries.com/strathisla/.) Wer nicht unbedingt am ersten Tag der Reise (so wie ich) direkt das erste Whisky-Tasting erleben möchte, sollte sich den Umweg jedoch sparen: Die Führung ist eher Massenabfertigung und beim anschließenden Tasting bekommt man, neben dem gut genießbaren 12-jährigen Strathisla Single Malt, zwei verschieden CHIVAS Blends (deren „Herz“ der Strathisla Whisky bildet – wer‘s mag…) und einen ebenfalls 12 jährigen Grain Whisky, der pur eher ungenießbar ist, zu probieren. Im weiteren Verlauf der Wanderung bieten sich noch einige bessere Möglichkeiten für Whisky-Freunde auf ihre Kosten zu kommen. 

Haggis in Whiskysauce

Nach einem sehr guten Abendessen mit Haggis und Beef Pie im Gordon’s Arms Hotel in Fochabers und dem ein oder anderen Pint „Windswept“ Craft Beer (aus der Region – sehr zu empfehlen https://windsweptbrewing.com/) wurde ich dann freundlicherweise von meinem sehr netten Gasgeber Ian abgeholt und zum Trochelhill BnB gebracht, wo mich ein wunderbar gemütliches Zimmer für die Nacht erwartete.  

Tag 2: Fochabers nach Craigellachie

Der nächste Tag begann vielversprechend… Sonnenaufgang bei blauem Himmel über dem Spey Valley, in weiter Ferne die Cairngorm Mountains am Horizont und wunderbares Porridge, „gaelic style“(also mit einem Schuss Whisky) zum Frühstück – das wärmt die Füße in Vorbereitung auf einen weiteren wunderschönen Wandertag auf dem Speyside Way. Nachdem mich Ian wieder zurück ins Dorf gefahren hatte, habe ich mir im kleinen Supermarkt am Platz noch ein bisschen Proviant für den Tag besorgt. Die Versorgung ist auf dem Speyside Way, anders als auf vielen anderen Fernwanderwegen, wirklich gut. In allen Etappenorten gibt es mindestens einen kleinen Supermarkt und ein Pub. Da sollte man sich dann aber für den Tag versorgen, da man unterwegs meist keine Einkehrmöglichkeiten hat! Am Morgen geht es über Wiesen und Felder leicht auf und ab immer parallel zum majestätischen River Spey bis Boat’o‘Brig. Bei den „Earth Pillars“ (ausgeschildert am Wegesrand) lohnt sich ein kurzer Abstecher in den Wald, wo man einen wunderschönen Ausblick genießen darf.

Ausblick auf den River Spey bei "Earth Pillars"

Auf Teil zwei der Etappe geht es erstmal bergauf durch die Wälder von Knockmore und Arndilly rund um den Ben Aigan und die Pfade werden schmaler und einsamer. Kurz vor dem Zielort, Craigellachie, kommt man wieder näher an den Fluss. Ich habe mir dort ein schönes Plätzchen am Ufer gesucht um die herbstliche Nachmittagssonne zu tanken und die geschundenen Füße im eiskalten Wasser zu erfrischen. 

Abkühlung bei der Wanderpause am River Spey

Abends lädt die Bar des „Highlander Inn“ mit einer riesigen Whiskytheke zum Feierabenddrink und/oder Abendessen ein. Bei gutem Wetter gibt es auch eine schöne Sonnenterrasse mit Blick auf den Fluss, die man schon vom Speyside Way aus sehen kann. Die Mitarbeiter und vor allem der Inhaber (der auch ein Highlander Inn in Tokio betreibt) geben gerne individuelle Whiskyempfehlungen und haben auch besondere Tropfen im Ausschank, die man so in Deutschland nicht ohne Weiteres zu trinken bekommt. So bin ich auch am zweiten Tag zu meinem Whiskytasting gekommen, obwohl ich für alle Destilleriebesichtigungen in der Nähe zu spät ankam. Whiskyinteressierte, die sich die Zeit nehmen können, sollten in Craigellachie eine Zusatznacht einplanen. Ein kurzer Rundweg führt nach Dufftown, wo Glenfiddich und Balvenie zu Besuchen einladen. In direkter Umgebung des Ortes lohnen sich Besuche bei den Destillerien MacCallan und Glen Grant oder bei der Speyside Cooperage, wo man über die Herstellung von Whiskyfässern informiert wird.  

Tag 3: Craigellachie nach Ballindalloch

Nach dem etwas längeren Abend im Highlander Inn musste ich mich am nächsten Morgen etwas beeilen mit dem guten Frühstück im Bridge View BnB, da ich bereits für 10 Uhr die nächste Destillerietour gebucht hatte. Die Aberlour Distillery liegt etwa eine knappe Wanderstunde von Craigellachie direkt am Speyside Way und bietet sich daher besonders für einen Besuch an. Bei dem konstanten Regenwetter, das nun den Sonnenschein der letzten Tage abgelöst hatte, war ich auch froh mich im Trockenen von außen und innen etwas aufzuwärmen. Tour und Tasting bei Aberlour sind sehr empfehlenswert - Geschichte und Ablauf der Whiskyproduktion werden ausführlich und kurzweilig erklärt und man bekommt auch die Zwischenprodukte nach jedem Herstellungsschritt zu probieren. 

Whiskytasting in der Aberlour Destillerie

Nach dem Tasting habe ich einen kleinen Abstecher zu einem sehenswerten Wasserfall am „Burn of Aberlour“ eingelegt, wo es auch einen sehr schönen Platz für ein Picknick gibt. Der Weg dorthin ist recht kurz und beginnt direkt an der Einfahrt zur Destillerie. Zurück auf dem Speyside Way, der hier wieder entlang der stillgelegten Bahntrasse verläuft, ließ sich wieder die Sonne blicken. Es geht den Rest des Tages immer wieder an historischen Bahnsteigen und Destillerien vorbei bis nach Ballindalloch. Die meisten sind jedoch nicht zu besichtigen. (Ausnahme Cardhu, bei Knockando etwa 6,5km vor dem Etappenziel). Da das Delnashaugh Hotel, das einzige Restaurant in der Gegend, am Vortag seine Saison beendet hatte wurde ich freundlicherweise am Abend spontan von meinen Gastgebern im Woodville BnB zum Abendessen eingeladen. Der Wetterbericht für den nächsten Tag hatte starke Regenfälle und Sturm vorhergesagt, ausgerechnet wenn es für mich auf der Tomintoul Spur zum höchsten Punkt des Weges in die Hochmoore des Crown Estate Glenlivet gehen sollte. Daher fiel mir am Abend das Einschlafen etwas schwer und ich spielte schon fast mit dem Gedanken die Wanderung ausfallen zu lassen... Lesen Sie Teil 2 von Max Wander- und Whiskyabenteuer auf unserem Blog oder schauen Sie sich doch unsere Wanderreisen in der Speyside-Region an.