Mehr als Mojo: Entdecke kanarische Spezialitäten auf La Gomera

Vor Kurzem war Natasha, eine unserer Abenteuer Spezialistinnen, selbst auf unserer Reise „Wandern auf La Gomera“ unterwegs. Die spektakulären Landschaften der Insel haben sie sofort beeindruckt, aber was ihr besonders in Erinnerung geblieben ist, war das Essen.
Denn La Gomera ist nicht nur landschaftlich besonders, sondern auch kulinarisch. Abseits der bekannten Klassiker wartet hier eine Küche, die stark von der Landschaft, den Traditionen der Insel und den Menschen, die hier leben, geprägt ist. In diesem Beitrag, erzählt Natasha, welche Gerichte du auf deiner Wanderreise unbedingt probieren solltest und warum Essen auf La Gomera oft viel mehr als nur eine Stärkung nach der Etappe ist.

Wenn du an die Küche der Kanarischen Inseln denkst, hast du vielleicht bestimmte Bilder im Kopf: Plastikstühle und Klapptische an einer Promenade, ein freundlicher Kellner, der einen zum Platz bittet und auf der Speisekarte natürlich „Papas arrugadas“, die berühmten kanarischen Runzelkartoffeln. In vielen Urlaubsorten findest du auf der Karte außerdem schnell Burger mit Pommes, vertraut für Gäste aus Großbritannien oder Nordamerika, allerdings meist mit einem kleinen spanischen Twist. Zum Beispiel mit Mojo.
Die bekannte kanarische Sauce gibt es in zwei Varianten: „Mojo rojo“, die rote Version mit Paprika, und „Mojo verde“, eine grüne Variante mit Kräutern. Beide bestehen meist aus Knoblauch, Öl, Essig und lokalen Zutaten.
Auf La Gomera gehört Mojo einfach dazu und wird zu fast allem serviert, von Kartoffeln bis zu Fischgerichten, und jedes Restaurant hat seine eigene Variante. Manche sind ordentlich scharf, andere eher mild und kräuterig, aber sie passen zu fast allem, was hier auf den Teller kommt.
Nur rund 55 Minuten mit der Fähre von Teneriffa entfernt liegt die kleine, ruhige Insel: La Gomera. Während Teneriffa vielerorts vom Tourismus geprägt ist, geht es hier deutlich ruhiger zu. Hier gibt's keine großen Hotelanlagen und Poollandschaften, und ein klassisches englisches Frühstück findet man hier eher selten. Es gibt zwar „kanarisches Essen“ für Besucher, aber es gibt auch kanarisches Essen für Einheimische, also Gerichte, die ursprünglich gar nicht für touristische Speisekarten gedacht waren.

La Gomera fühlt sich ein wenig an, als existiere die Insel in ihrer eigenen Welt. Die Landschaft ist wild und grün, geprägt von tiefen Schluchten und steilen Tälern.
Hier liegt auch der Garajonay Nationalpark, ein UNESCO-geschützter Lorbeerwald, der fast märchenhaft wirkt: Nebel hängt zwischen den alten Bäumen, und die Atmosphäre wirkt fast geheimnisvoll. Wenn du hier wanderst, bist du nicht nur in schöner Natur unterwegs, sondern bewegst dich durch eine Landschaft, die das Leben und die Kultur der Insel seit Jahrhunderten prägt.
Auch die Abgeschiedenheit gehört zum Charakter von La Gomera. Die Insel hat keinen Flughafen und ist vom Massentourismus weitgehend verschont geblieben. Das Leben dreht sich hier noch immer um kleine Orte, Landwirtschaft, Fischerei und Tradition, und genau das spiegelt sich auch in der Küche wider.
Wenn du kulinarisch gern Neues ausprobierst, bist du auf La Gomera genau richtig. Natürlich gibt es auch internationalere Gerichte, aber die Kombination aus beeindruckenden Wanderungen, bunten Dörfern und regionaler Küche sorgt für ganz besondere kulinarische Erlebnisse. Die Insel ist im besten Sinne unberührt! Es gibt keinen Flughafen, keinen Kreuzfahrthafen und kaum große Schnellstraßen. Teneriffa ist das Tor zur Insel und vieles, was auf deinem Teller landet, stammt direkt aus der Region oder ist saisonal verfügbar. Das bedeutet: frischer Fisch direkt aus dem Meer, Obst und Gemüse voller Farbe und Geschmack und hochwertiges Fleisch von lokalen Bauern.

Doch die Landwirtschaft hier ist alles andere als einfach. Terrassenfelder klammern sich an steile Hänge und die Landschaft verlangt den Menschen einiges ab. Genau deshalb spielen Ziegenfleisch, lokaler Käse und robuste Getreidesorten eine so große Rolle in der traditionellen Küche. Wenn Essen so eng mit der Landschaft verbunden ist, entsteht etwas Ehrliches, Bodenständiges, und unglaublich Leckeres.
Viele Zutaten haben eine lange Tradition und stammen von den ersten Bewohnern der Insel, den Guanchen. Schon vor der spanischen Eroberung lebten sie von geröstetem Getreide, Ziegenhaltung und haltbaren Lebensmitteln. Ein gutes Beispiel dafür ist Gofio, ein traditionelles Mehl aus geröstetem Getreide. Wenn du Gofio probierst, kostest du eine Zutat, die hier seit Jahrhunderten, vielleicht sogar seit Jahrtausenden, zum Alltag gehört.
Während deiner Wanderung kommst du außerdem immer wieder an Obstplantagen vorbei: Ananas, Mangos, Bananen, Guaven oder Papayas wachsen hier. Wenn du unterwegs die Möglichkeit hast, lohnt sich eine frische Limonade oder ein Smoothie. Besonders im Parador de La Gomera Hotel, was zu Beginn und Ende der Reise wartet, lohnt das Frühstücksbuffet mit einer großen Auswahl an Früchten. Achte besonders auf die Melonen, denn sie sind süß, saftig und intensiver als viele uns bekannten Honigmelonen.

Auch die vielen Terrassenfelder, die du überall siehst, prägen das Bild der Insel. Sie ermöglichen Landwirtschaft selbst an steilen Hängen und sorgen dafür, dass Obst und Gemüse hier so intensive schmecken. Hinzu kommt ein erstaunliches Mikroklima: Im Inselinneren ist es kühl und neblig, während an der Küste oft warme Sonne scheint. Dadurch wächst auf kleiner Fläche eine erstaunliche Vielfalt.
Und wenn du Einheimische siehst, die Kräuter oder Gemüse den Hang hinuntertragen, dann ist das hier nicht nur ein touristisches Fotomotiv, sondern ganz normaler Alltag. La Gomera ist ein Ort, an dem viele Menschen noch eng mit der Natur und dem Land leben, und genau das schmeckt man.
Wenn du die Insel umrundest, gibt es unterwegs noch einige weitere kulinarische Spezialitäten, nach denen du Ausschau halten solltest:
Ziegenkäse
Ob frittiert, gegrillt oder mit Mojo serviert, Ziegenkäse gehört zu den frischesten und mildesten Käsesorten, die du hier probieren kannst. Er wird aus roher Ziegenmilch hergestellt und manchmal auch mit Schafsmilch gemischt. Auf den Kanaren gibt es viele hervorragende Käsesorten, über die man ins Schwärmen geraten kann, doch gerade die Frische dieses Ziegenkäses macht ihn zu einem perfekten Begleiter für viele Gerichte.
Er steht sinnbildlich für den rustikalen Charakter der Insel und zeigt, wie viel die lokalen Bauern aus den Gegebenheiten der Landschaft machen. Für Käseliebhaber also ein absolutes Muss!
Die Käseherstellung ist auf La Gomera eng mit dem traditionellen Leben auf dem Land verbunden. Ziegen kommen mit der felsigen und steilen Landschaft hervorragend zurecht, und kleine Herden gehören hier seit Generationen zum Alltag vieler Familien.
In manchen Dörfern wird der Käse geräuchert oder gereift serviert, oft mit „Miel de Palma“, dem berühmten Palmhonig der Insel. Wenn du „Queso asado“ (gegrillten Käse) auf der Karte siehst, solltest du ihn unbedingt probieren. Warm serviert, leicht angebräunt und mit Mojo oder etwas „Miel de palma“ (Palmhonig) ist es eine typisch kanarische Kombination aus herzhaft und süß.

Ziegenfleisch (Carne de Cabra)
Die Landschaft auf La Gomera ist rau und steil, und genau das spiegelt sich auch in der Küche wider. Große Viehzucht, wie man sie aus anderen Regionen kennt, gibt es hier kaum. Deswegen stehen weniger Gerichte mit Rind oder Geflügel auf der Speisekarte, und stattdessen deutlich häufiger Ziege oder Kaninchen. Ziegen kommen mit dem felsigen Gelände hervorragend zurecht, kleine Herden sind seit Generationen Teil des Alltags, und die Inselbewohner wissen genau, wie man das Fleisch am besten zubereitet.
Ziegenfleisch ist von Natur aus fettarm und reich an Eiweiß, also ideal, wenn du den ganzen Tag zu Fuß unterwegs bist. Wird es lange in kräftigen Saucen geschmort, wird es unglaublich zart und saftig. Die Aromen sind intensiv, herzhaft und genau das, worauf man nach einer langen Etappe Lust hat.
Carne de Cabra ist eines dieser Gerichte, das viel über die Insel erzählt. Es ist nicht besonders schick oder modern, sondern traditionell und eng mit dem Alltag hier verbunden. Meist wird es über Stunden gekocht, oft mit Knoblauch, Zwiebeln, Wein und Gewürzen. Wenn du durch die kleinen Orte wanderst und Einheimische in Bars mit dampfenden Tellern sitzen siehst, bist du genau richtig. Das ist La Gomera. Und genau das, was du nach einem langen Auf- oder Abstieg essen willst.

Oktopussalat
Oktopus gehört auf den Kanaren ganz selbstverständlich zur Küche, auch wenn er für viele erstmal ungewohnt wirkt. Dabei wird er hier nicht kompliziert zubereitet, sondern bewusst einfach gehalten, damit der Eigengeschmack im Vordergrund steht.
Oft reichen schon gutes Olivenöl, etwas Meersalz, Zitronensaft und frische Kräuter wie Petersilie, um aus frischem Oktopus ein Gericht zu machen, das erstaunlich intensiv schmeckt. Gerade weil die Zutaten so frisch sind, braucht es keine aufwendigen Marinaden oder viel Schnickschnack.
Der Fischfang ist bis heute ein wichtiger Teil des Lebens auf der Insel, und in vielen Küstenorten bestimmt der Tagesfang, was auf den Teller kommt. Oktopus wird auf den Kanaren außerdem oft als Tapas serviert, also in kleineren Portionen zum Teilen, manchmal auch in der Variante „a la gallega“ mit Paprika und Kartoffeln. Auf La Gomera ist die Zubereitung meist etwas leichter und frischer, oft mit einer leicht zitronigen Note und genau das Richtige nach einem langen Wandertag, wenn du etwas suchst, das erfrischt und trotzdem satt macht.

Peruanische Küche
Eine kleine Überraschung auf der Insel ist das Restaurant „Mi Causa“ in Hermigua. Von außen wirkt es eher unscheinbar, und auch online findet man noch nicht viele Bewertungen, aber genau das macht es zu einem dieser Orte, die man leicht übersieht und dann umso mehr schätzt, wenn man sie entdeckt.
Hier bekommst du tatsächlich auch einen der wenigen Burger entlang der Route, es lohnt sich aber, etwas anderes zu probieren! Zum Beispiel Ceviche oder Empanadas, die deutlich besser zeigen, was das Restaurant ausmacht.
Dass man auf einer kleinen Insel wie La Gomera peruanisches Essen findet, wirkt zunächst vielleicht etwas fehl am Platz, hat aber historische Gründe. Die Kanaren lagen lange auf wichtigen Handels- und Reiserouten zwischen Europa, Afrika und Amerika, und über die Jahrhunderte sind viele Menschen zwischen den Regionen ausgewandert und haben ihre Küche mitgebracht.
Deshalb fühlt sich ein Teller Ceviche in Hermigua zwar unerwartet an, passt aber gleichzeitig erstaunlich gut hierher.

Gofio
Gofio gehört auf den Kanaren einfach dazu! Es ist ein Mehl aus geröstetem Getreide mit leicht nussigem, mild süßem Geschmack und wird für vieles verwende. Du findest es in Brot, Suppen, Dips oder auch als Grundlage für verschiedene Gerichte, doch besonders spannend wird es bei den Desserts ... und nach einem langen Wandertag darf das Dessert ruhig etwas größer ausfallen.
Eine der bekanntesten Varianten ist Gofio-Mousse mit Keks; cremig, leicht nussig und genau das Richtige nach einem herzhaften Essen.

Gofio hat eine lange Geschichte und war früher vor allem deshalb so wichtig, weil es sich gut lagern ließ und viel Energie lieferte. Gerade für Menschen, die viel draußen gearbeitet haben, wie Hirten, Bauern oder Fischer, war es ein verlässliches Grundnahrungsmittel. Viele Einheimische verbinden damit bis heute ein Stück Heimat.
Neben den süßen Varianten gibt es auch herzhafte Gerichte wie „Escaldón“, bei dem Gofio mit Brühe vermischt wird. Das Ergebnis ist eine dicke, sättigende Speise, die besonders an kühleren Tagen in den höheren Lagen der Insel gut passt.
Wenn du außerdem irgendwo „Miel de Palma“ entdeckst, solltest du ihn unbedingt probieren. Dieser Sirup aus Palmensaft ist typisch für La Gomera und wird oft über Käse oder Desserts gegeben. Sein Geschmack ist süß, leicht karamellig und sehr eigen, aber genau das macht ihn so besonders.

Eine kulinarische Reise durch La Gomera
Die Mischung aus kleinen Orten und lokalen Restaurants entlang unserer La Gomera Route sorgt für ein rundum abwechslungsreiches Genusserlebnis. Wenn du möchtest, kannst du jeden Abend etwas Neues probieren, und die Einheimischen teilen mit spürbarem Stolz, was hier vor Ort entsteht.
Und es ist nicht nur das Essen, das in Erinnerung bleibt, sondern auch die Umgebung. Du wanderst zwischen ruhigen Dörfern wie Hermigua und Agulo, durch tiefe Schluchten und grüne Waldlandschaften, während irgendwo in der Ferne immer wieder der Atlantik aufblitzt. Gleichzeitig begegnest du hier auch einer ganz besonderen Tradition: dem Silbo Gomero, einer Pfeifsprache, mit der früher über die tiefen Täler hinweg kommuniziert wurde und die heute sogar in Schulen unterrichtet wird.
Diese Mischung aus wilder Natur, gelebten Traditionen und ehrlicher, lokaler Küche macht La Gomera zu einem Ort, der sich ein bisschen wie ein Kanaren Geheimtipp anfühlt. Keine Insel, die für den Tourismus herausgeputzt wurde, sondern eine, die sich ihren ursprünglichen Charakter bewahrt hat und dich genau so willkommen heißt, wie sie ist.
Und wenn du nach einem langen Wandertag am Tisch sitzt, vor dir ein Teller mit geschmortem Ziegenfleisch, gegrilltem Käse, frischem Fisch oder einem Dessert mit Gofio steht, merkst du schnell: Du isst hier nicht einfach nur gut, sondern schmeckst so richtig die Insel.
Eine ursprüngliche, traditionsreiche Insel voller intensiver Aromen wartet auf dich. Also los, auf nach La Gomera!