Anscheinend befinden Sie sich in - klicken Sie hier um unsere USA Website zu besuchen. US 
Menschen hinter der Kulisse - Evas besondere Erinnerung an der Amalfiküste
6 Minute(n) Lesezeit
26 Februar 2026
Menschen hinter der Kulisse - Evas besondere Erinnerung an der Amalfiküste

Eine Uhr, Vesuvgestein und die Magie der Amalfiküste

Menschen hinter der Kulisse

Ich bin Eva und als PR- und Partnership-Managerin bei unserer englischen Seite Macs Adventure spreche ich beruflich oft über besondere Orte, eindrucksvolle Wege und Reisen, die noch lange nachwirken. Doch manchmal darf ich diese Orte nicht nur beschreiben, sondern selbst erleben – und die Amalfiküste ist genau so ein Ort für mich.

Manche Reiseziele bleiben nicht einfach nur in Erinnerung, sie setzen sich fest. Noch heute sehe ich die pastellfarbenen Dörfer vor mir, die sich an steile Felsen schmiegen. Ich erinnere mich an den Duft von Zitronenblüten in der warmen Luft und an das leise Stimmengewirr aus kleinen Cafés auf sonnigen Plätzen.

Die Küste ist voller beeindruckender Ausblicke, aber ein Tag ist mir besonders in Erinnerung geblieben – nicht nur wegen der Landschaft, sondern wegen einer unerwarteten Begegnung auf dem „Weg der Götter“, die mir wieder einmal gezeigt hat, wie besonders gemeinsame Momente unterwegs sein können.

Blick auf das Meer vom Weg der Götter zwischen Bomerano und Praiano an der Amalfiküste

Unterwegs auf dem Sentiero degli Dei

Es war der vierte Tag unserer Reise und wir hatten unseren Rhythmus längst gefunden: morgens losgehen, unterwegs immer wieder stehen bleiben, um die Aussicht zu genießen, mittags einkehren, weiterwandern, staunen.

Ich war mit Joana unterwegs und wir starteten früh in Richtung Sentiero degli Dei, einer der bekanntesten Wanderwege an der Amalfiküste. Der Pfad zieht sich hoch über dem Meer entlang der Talwand, mit weitem Blick über das Wasser und auf kleine Orte, die sich scheinbar mühelos an die steilen Hänge schmiegen. Und dort trafen wir Pascal.

Pascal war allein unterwegs, pensioniert, Italiener, und ganz offensichtlich jemand, der aus echter Freude am Gehen wanderte. Nicht wegen Fitness-Trends oder Schrittzählern, sondern aus reiner Freude daran, durch die Welt zu gehen.

Wir kamen direkt ins Gespräch – auch wenn auf diese etwas unbeholfene, aber zugleich schöne Art, wenn man nicht die gemeinsame Sprache spricht. Sein Englisch war nicht besonders gut, mein Italienisch beschränkte sich im Wesentlichen auf „Ciao“, „Grazie“ und ein paar Pastasorten. Trotzdem funktionierte es erstaunlich gut. Mit Lächeln, Gesten, einzelnen verstandenen Worten und gelegentlichen Rettungsaktionen mit Google Übersetzer kamen wir uns näher. Dass Joana Portugiesin ist, half zusätzlich – manche Wörter überschnitten sich, und plötzlich war die Verständigung gar nicht mehr so kompliziert.

Es fühlte sich ganz selbstverständlich an, mit ihm weiterzugehen. Fast so, als hätten wir uns verabredet, obwohl wir uns erst wenige Minuten kannten.

Mann auf dem Weg der Götter zwischen Bomerano und Praiano an der Amalfiküste

Kräuterduft und Zitronenhaine

Während wir weitergingen, zeigte Pascal immer wieder auf Kleinigkeiten am Wegesrand – fast wie ein Amalfiküsten-Reiseführer. Denn der Weg der Götter ist nicht nur wegen seiner Aussicht besonders, er ist richtig lebendig. 

Am Rand wuchs wilder Rosmarin, und sobald unsere Schuhe die Zweige streiften, stieg dieser klare, würzige Duft in die Luft. Dazu kamen Thymian und Salbei, und diese kleinen, zähen Sträucher, die sich erstaunlich hartnäckig an den felsigen Hängen halten.

Zwischendurch leuchteten immer wieder Farbtupfer auf: rosa Felsrosen, gelber Ginster und Feigenkakteen, die so selbstbewusst am Hang standen, als gehörten sie eher in einen Westernfilm als nach Italien.

Und dann natürlich die Zitronenbäume weiter unten auf den Terrassen – denn die Amalfi-Zitronen sind hier fast schon eine eigene Berühmtheit. Der ganze Weg roch so wundervoll gut nach warmem Stein, Sonne und Kräutern. Es war eine dieser Wanderungen, bei der man nicht das Gefühl hat, die Landschaft nur anzuschauen – sondern wirklich mitten drinsteckt. 

Blick auf ein Felsdorf am Weg der Götter zwischen Bomerano und Praiano an der Amalfiküste

Auf den Spuren des Vesuvs

Während wir weitergingen, hob Pascal einen hellen, unspektakulären, porösen Stein vom Boden auf. Er erklärte uns, dass viele dieser Gesteine vom Vesuv stammen sollen – vom berühmten Ausbruch im Jahr 79 n. Chr., bei dem Pompeji und Herculaneum verschüttet wurden. Ich war etwas überrascht, wie leicht die Steine wirkten.

Wir ließen sie liegen, doch der Gedanke blieb. Dass dieser Weg nicht nur von Jahrhunderten, sondern möglicherweise auch von Naturgewalten geprägt wurde. Dass selbst hier, in dieser friedlichen Umgebung, Geschichte unter den Füßen spürbar ist.

Der Moment, in dem die Uhr fiel

Pascal ging inzwischen ein Stück vor uns. Er führte den Weg mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre er ihn schon unzählige Male gegangen. Mit ihm an unserer Seite hätten wir die Routenführung in der AbenteuerWege App eigentlich nicht gebraucht – ich öffnete sie trotzdem kurz, eher aus Gewohnheit.

Der Weg war still, weil wir früh gestartet waren und somit noch niemand anderes sonst unterwegs war. Keine Gruppen, keine Stimmen, keine Schritte außer unseren. Nur Wind, unsere Tritte auf dem schmalen Pfad und gelegentlich ein Vogelruf in der Ferne. Dann bemerkte ich, wie etwas aus seiner Tasche fiel. Zuerst war es nur ein kurzes Aufblitzen, von dem metallischem Reflex in der Sonne. Im nächsten Moment löste sich etwas aus Pascals Tasche, fiel zu Boden, sprang einmal auf und rollte seitlich vom Weg hinunter – direkt in ein Gestrüpp am Wegrand.

Ich beugte mich hinunter, schob die Äste zur Seite und griff danach. Dabei zerkratzte ich mir leicht den Arm, doch in diesem Moment dachte ich nicht darüber nach. Ich rief nach Pascal und lief ihm hinterher. „Sie haben das verloren!“, rief ich und hielt die Uhr hoch.

Er drehte sich sofort um und in dem Moment, als er erkannte, was ich in der Hand hielt, veränderte sich sein Gesicht vollständig. Er nahm die Uhr vorsichtig entgegen – und begann zu weinen.

Joana und ich standen erst einmal reglos da und ich spürte einen kurzen Moment von Unsicherheit, fast Panik. Was sagt man in so einer Situation? Wie reagiert man?

Mit wenigen englischen Worten und vielen Gesten erklärte Pascal uns, dass die Uhr seinem Sohn gehört hatte, der vor einigen Jahren verstorben war. Diese Uhr war eines der wenigen Erinnerungsstücke, die ihm geblieben waren.

Ich spürte sofort, wie sich etwas in meiner Brust zusammenzog. Dieses Gefühl, wenn die Trauer eines anderen Menschen plötzlich ganz real vor einem steht. Als würde man mitten in eine Geschichte geraten, die lange vor einem selbst begonnen hat – und doch wird man für einen Moment Teil davon.

Und das Seltsamste daran war: Hätte ich das kurze Aufblitzen nicht bemerkt, hätte Pascal die Uhr niemals wiedergefunden. Sie wäre im Gestrüpp verschwunden, für immer. 

Es war einer dieser Augenblicke, in denen alles genau zusammenpasst. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort – ohne es geplant zu haben. Pascal hielt die Uhr in den Händen, als wäre sie aus zerbrechlichem Glas. Fast wie etwas Lebendiges und in gewisser Weise war sie das auch.

Alte Ruinen an der Amalfiküste

In der Ferne zeichnete sich Capri im Dunst ab

Nachdem Pascal seine Uhr wieder sicher verstaut hatte, gingen wir gemeinsam weiter. Die Stimmung hatte sich verändert, aber nicht ins Schwere, sondern es wurde etwas ruhiger und weicher. Es war, als wären wir alle drei plötzlich etwas bewusster unterwegs – achtsamer für den Moment, für die Vergänglichkeit, für das, was wirklich zählt.

Irgendwann blieb Pascal stehen und deutete über das Meer hinaus zum Horizont. Capri.

Zunächst konnte ich die Insel kaum erkennen, denn sie lag im Dunst, blass und beinahe unwirklich. Für einen Moment war sie sichtbar, dann verschwand sie wieder im milchigen Schleier, als würde sie Verstecken spielen. Fast wie eine Erscheinung, die sich nicht ganz entscheiden konnte, ob sie real sein möchte oder nicht. Und dann tauchte sie wieder auf – klarer, greifbarer, wie ein Geheimnis, das langsam gelüftet wird.

Am letzten Tag unserer Reise besuchten wir Capri selbst. Wir standen in den Ruinen der Villa Jovis, der ehemaligen Residenz von Kaiser Tiberius, und spazierten durch das Kloster San Giacomo. Diese kleine Insel ist erstaunlich vielfältig – geschichtsträchtig, elegant und zugleich still.

Von unserem erhöhten Standpunkt aus wirkte das Meer unter uns endlos, das Licht glitzerte auf der Oberfläche und die Boote erschienen wie winzige Punkte in der Weite. Die Dörfer an den Hängen wirkten fast waghalsig, so als bräuchte es einiges an Mut, dort zu leben. Und Pascal ging einfach weiter, ganz ruhig und selbstverständlich. Als bewege er sich durch einen Raum, der ihm vertraut ist.

Für ein paar Stunden war er mehr als nur ein zufälliger Wanderer auf derselben Route. Er war unser Weggefährte und ein Einheimischer, der uns seine Landschaft zeigte. Ein Fremder, der zum Erzähler wurde – und für einen kurzen Abschnitt unseres Weges auch zu einem Freund.

Lachende Frau auf dem Weg der Götter zwischen Bomerano und Praiano

Zeit zum Abschied an der Weggabelung

Nach etwa zwei Stunden erreichten wir eine Weggabelung. Pascal war leider nicht auf einer Reise mit AbenteuerWege unterwegs, sondern hatte seine eigenen Pläne, seine eigene Route, und sein eigenes Tempo.

Wir blieben einen Moment stehen, verabschiedeten uns, und es fühlte sich überraschend emotional an – für jemanden, den wir erst seit wenigen Stunden kannten. Aber ich glaube, genau das ist das Besondere am gemeinsamen Wandern. Man teilt nicht nur Worte, man teilt Stille, Anstrengung, Ausblicke und kleine, unerwartete Momente. Und das verbindet schneller, als es ein langes Gespräch je könnte.

Pascal bedankte sich noch einmal und klopfte dabei fast unbewusst auf seine Tasche, als wollte er sicherstellen, dass die Uhr noch da war. Ich öffnete wieder die AbenteuerWege App, um unsere Route aufzurufen und uns zurück auf unseren geplanten Weg zu bringen.

Mit einem letzten Lächeln und einem leichten Nicken ging Pascal in seine Richtung und wir in unsere.

Ausblick auf die Amalfiküste mit Blick auf Positano

Die stille Freundlichkeit der Amalfiküste

Wenn ich heute an meine Wanderung an der Amalfiküste zurückdenke, sehe ich nicht nur die steilen Klippen oder Capri, das in der Ferne im Licht schimmert. Ich denke an Pascal und an die Uhr, die in ein Gebüsch fiel – und wie sie trotzdem nicht verloren ging.

Ich sehe noch immer sein Gesicht vor mir, wie es sich veränderte, als er dieses kleine Stück Erinnerung an seinen Sohn wieder in den Händen hielt. Und ich denke daran, wie sich Reisen manchmal fast magisch anfühlen – nicht weil alles perfekt oder glamourös ist, sondern weil man unverhofft in einen sehr menschlichen Moment hineingerät.

Die Amalfiküste ist berühmt für ihre Schönheit und das zu Recht! Doch für mich lag ihre eigentliche Magie in etwas Leiserem. Ein stiller Weg, ein Mann, der allein unterwegs war und eine Uhr voller Bedeutung.

Und dieses Gefühl, dass man manchmal, aus Gründen, die man nicht erklären kann, genau dort landet, wo man in diesem Moment sein soll. Und ganz ehrlich? Das ist die Art von Souvenir, die man nicht im Koffer verstauen muss.

Savannah Welzel

Geschrieben von

Savannah Welzel
Marketing Manager
Haben Sie noch Fragen?
So erreichen Sie uns telefonisch unter
+49 681 41097680
Ähnliche Touren
WEITERE INFORMATIONEN
Das könnte Ihnen auch gefallen
Währung:
€ - EUR - Euro
Land:
DeutschlandDeutschland