Als vorletztes Kapitel unserer Feel-Good Reihe erzählt Savannahs persönliche Geschichte von innerer Stärke, Geduld und dem eigenen Körper wieder zu vertrauen.
Ihr Weg zum Wandern war alles andere als selbstverständlich, denn Krankheit war lange Teil ihres Lebens, sowohl in ihrer Familie als auch bei ihr selbst. Doch genau diese Erfahrungen haben sie geprägt. Heute erzählt sie, wie sie Schritt für Schritt zurück ins Vertrauen gefunden hat – und warum ihre erste Fernwanderung auf dem Lechweg so viel mehr war als nur eine Reise von A nach B.
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Meine Familie könnte man wahrscheinlich als eine Gruppe von Überlebenskünstlern beschreiben. Kurz bevor ich geboren wurde, erhielte meine Mutter die Diagnose Multiple Sklerose. Als ich 16 war, wurde bei meinem Vater Lungenkrebs festgestellt. Die Ärzte gaben ihm damals eine Überlebenschance von gerade einmal vier Prozent. Im Jahr 2025, in meiner allerersten Woche bei AbenteuerWege, kam der Krebs zurück und hatte bereits Stadium 4 erreicht. Doch dieses Mal standen die Fortschritte der modernen Medizin und eine gute Portion Glück auf seiner Seite.
Als ich mein Studium begann, war Krankheit für mich längst nichts Unbekanntes mehr. Mit 18 bekam ich Blutgerinnsel, die sich von meiner Hüfte bis zur Kniekehle zogen. Meine Einführungswoche an der Uni verlief daher deutlich ruhiger als bei den meisten anderen – weniger Partys, dafür umso mehr Krankenhausbesuche.
Wer mit Krankheit aufwächst, lernt früh, dass der Körper nicht immer so funktioniert, wie man es erwartet. Meiner jedenfalls nicht. Über Jahre hinweg brachen oder entzündeten sich Knochen ohne erkennbarem Grund. Generell tat Gehen oft weh und manchmal war es einfach überhaupt gar nicht möglich.
Die Suche nach Antworten dauerte Jahre, bis Ärzte schließlich herausfanden, dass Zöliakie die Ursache vieler dieser Probleme war. Es war keine plötzliche Offenbarung, aber plötzlich ergaben viele Dinge Sinn.
Von Krücken in die Alpen
Hätte mir vor einem Jahr jemand gesagt, dass ich bald über 100 Kilometer von Österreich nach Deutschland wandern würde, hätte ich wahrscheinlich gelacht. Damals war ich noch mit Krücken und Orthopädischer Stiefel unterwegs, und die Schmerzen kamen immer wieder zurück. Und doch begann ich nur ein halbes Jahr später damit, meine erste Fernwanderung zu planen: den Lechweg.
Als wir uns für die Route entschieden, war ich mir ehrlich gesagt noch nicht sicher, ob ich das wirklich schaffen würde. Aber entlang großer Teile des Weges fahren Busse – und allein zu wissen, dass es diese Möglichkeit gibt, gab mir Sicherheit. Im schlimmsten Fall, dachte ich, nehme ich einfach den Bus.
Dieser Plan B nahm viel Druck raus und außerdem war ich nicht allein unterwegs. Ich wanderte mit meiner besten Freundin, die ich seit fast 30 Jahren kenne. Sie weiß genau, wann sie mich motivieren muss – und wann es Zeit für eine Pause ist. Es war meine erste Fernwanderung überhaupt, und fühlte sich genau nach dem richtigen Einstieg an.

Sonne, Regen und alles dazwischen
Der Lechweg machte uns den Einstieg allerdings nicht besonders leicht. Der erste Tag war wunderschön: warmes Wetter, strahlender Sonnenschein, der Lech in seinem typischen leuchtenden Türkis, und die Berge wirkten fast unwirklich schön.
Dann folgten zwei Tage mit echtem, unerbittlichem Regen. Nicht der romantische Nieselregen, sondern der richtig durchdringende. Trotzdem kamen wir gut zurecht: Mit guten Regenjacken, einem gleichmäßigem Tempo und der gemeinsamen Einsicht, dass Jammern uns auch nicht trockener machen würde.
Nach drei Tagen waren meine Beine ziemlich müde – was unter den Umständen absolut verständlich war. Meine Füße dagegen fühlten sich erstaunlich gut an. Eine kleine Beobachtung, die mich innerlich ziemlich stolz machte.
Lernen, dem eigenen Körper zu vertrauen
Wenn man mehrere Tage hintereinander wandert, wird das Leben plötzlich sehr einfach. Man steht auf, man geht los, man isst, man ruht sich aus. Man hört auf seinen Körper und passt das Tempo an, wenn es nötig ist.
Als ich am türkisfarbenen Lech stand und beobachtete, wie ruhig er durch das Tal fließt, wurde mir etwas klar: Diese Reise ging gar nicht darum, möglichst viele Kilometer zu schaffen oder mir selbst etwas zu beweisen. Es ging darum, wieder Vertrauen zu finden. In meinen Körper – und in die Unterstützung um mich herum.
Mit AbenteuerWege unterwegs zu sein, hat dabei enorm geholfen. Alles war so gut organisiert, dass ich mich ganz auf das Wandern konzentrieren konnte. In vielen Unterkünften wartete am Abend sogar eine Sauna – ein kleiner Luxus, der nach einem langen Wandertag einen großen Unterschied macht.
Unsere Gastgeber kümmerten sich außerdem unglaublich aufmerksam um meine glutenfreie Ernährung. Auch die Restaurants entlang der Route waren sehr hilfsbereit. In einem italienischen Restaurant wurde mein glutenfreier Pizzateig sogar einen Tag vorher vorbereitet – und es war eine der besten glutenfreien Pizzen, die ich je gegessen habe.

Solche Momente verändern, wie man eine Reise erlebt. Aus Unsicherheit wird Vertrauen und aus Anstrengung wird Freude. Als wir schließlich Schloss Neuschwanstein erreichten, ein Ort, den ich schon lange einmal sehen wollte, fühlte sich das wie der perfekte Abschluss unserer Wanderung an.
Am letzten Tag schmiedeten wir bereits neue Pläne: Zu meinem 30. Geburtstag wollen wir gemeinsam den portugiesischen Jakobsweg wandern. Früher hätte ich nie gedacht, dass Wandern einmal eine so große Rolle in meinem Leben spielen würde.Heute kann ich mir kaum eine bessere Art vorstellen, meinen 30. Geburtstag zu feiern.

Vorwärts ist vorwärts
Der Lechweg hat mich daran erinnert, dass Fortschritt nicht immer spektakulär aussehen muss. Manchmal ist er langsam, manchmal ist er nass, und manchmal bedeutet er, Busfahrpläne zu checken, die man am Ende gar nicht braucht.
Manchmal bedeutet Fortschritt einfach zu merken, dass etwas, das vor einem Jahr noch unmöglich erschien, plötzlich machbar geworden ist. Für mich waren das die 104 Kilometer, und das hat vollkommen gereicht.

