Molly auf dem West Highland Way
Erlebnisse, Gedanken und Geschichten von den Wegen, die wir gegangen sind – aus unserem Team.
Molly ist unsere Vertriebsleiterin in den USA und lebt in Colorado. In ihrer Freizeit widmet sie sich kreativen Projekten, genießt Spaziergänge am Morgen und interessiert sich für Mode.

Liebes Wandertagebuch,
Schon vom ersten Tag an schenkte uns der West Highland Way etwas, von dem wir gar nicht wussten, wie sehr es uns gefehlt hatte: ungestörte Zeit zu zweit.
Es war unsere erste Reise allein seit der Geburt unserer Tochter Della. Irgendwo zwischen Arbeit, Smartphones, Familienalltag, Terminen und Müdigkeit war gemeinsame Zeit zu zweit in den Hintergrund gerückt.
Wir freuten uns auf Schottland – auf die Wanderungen, die beeindruckenden Landschaften, die gemütlichen Pubs und die Möglichkeit, für eine Weile Abstand vom Alltag zu gewinnen. Was ich nicht erwartet hatte, war, wie sehr uns diese Reise wieder näherbringen würde.

Der Weg schenkte uns etwas, das sich als Eltern oft selten anfühlt: viele Stunden ungestörter gemeinsamer Zeit. Wir wanderten Seite an Seite, ohne Termine, ohne Ablenkungen und ohne etwas, das unsere Aufmerksamkeit beanspruchte – nur begleitet von der schottischen Landschaft und dem Wetter des jeweiligen Tages.
Und das Wetter zeigte wirklich alle Facetten. Innerhalb von fünf Tagen erlebten wir gefühlt alle vier Jahreszeiten. Einen großen Teil der Reise verbrachten wir damit, gemeinsam über die Wetterkapriolen zu lachen. Besonders dann, wenn Will wieder einmal versuchte, unter dem vermeintlichen Schutz eines Baumes seine Socken zu wechseln. Wir mussten so sehr lachen, dass wir kaum noch stehen konnten.

Zu meinen schönsten Erinnerungen gehören jedoch die kleinen Momente zwischendurch: nach einem langen Wandertag gemeinsam ein Bier zu genießen, bei Wind und Wetter alberne Fotos zu machen, mit den Gastgebern in den kleinen Pubs entlang des Weges zu scherzen oder nach vielen Kilometern gemeinsam in diesen herrlich übermüdeten Zustand zu geraten, in dem plötzlich alles lustig erscheint.
Auch unsere Gespräche veränderten sich mit der Zeit. Anfangs ging es vor allem um den Weg, das Wetter und allerlei Unsinn. Doch nach und nach sprachen wir über die größeren Dinge im Leben: unsere Arbeit, unsere Familie, Della, die Zukunft und darüber, welche Menschen und Eltern wir sein möchten.
Zu Hause entstehen solche Gespräche oft nur zwischen anderen Aufgaben und Verpflichtungen. Auf dem Weg hatten wir endlich die Zeit und den Freiraum, uns wirklich auszutauschen.

Es waren keine großen Erkenntnisse oder einschneidenden Momente, und doch fühlte es sich wichtig an. Als würden wir nicht nur gemeinsam den Familienalltag meistern, sondern wieder bewusst Zeit als Paar miteinander verbringen.
Als wir am Ende der Reise das Ziel erreichten, war das überraschend emotional. Nicht wegen der zurückgelegten Kilometer, sondern wegen all der Momente, Gespräche und Erlebnisse, die dazwischen lagen.
Wir kehrten mit wunderbaren Erinnerungen an Schottland nach Hause zurück, mit einigen stark beanspruchten Wandersocken – und vor allem mit dem Gefühl, einander wieder ein Stück nähergekommen zu sein.
- Molly